Rita wohnt in einem echten Palast
Auf dem Heimweg von Casablanca nach Frankfurt roch das ganze Flugzeug nach Zitronen, Ingwer, Ras el Hanout und Kardamon – so groß war unsere Ausbeute des Gewürzmarktes von El Jadida in Marokko. Drei Tage lang wandelte ich mit netten Journalisten im und um das Mazagan Beach Hotel herum auf den Spuren von erlesenen Gerichten, exotischen Gewürzen und marokkanischen Spezialitäten. Aber natürlich begnügten wir uns auf der Gourmet-Reise nicht mit riechen, schauen und kaufen. Selbstverständlich haben wir so viele marokkanische Köstlichkeiten probiert, wie möglich, zum Beispiel ganz frische Austern in Oualidia, mindestens ein Dutzend Vorspeisen, von Humus mit viel Knoblauch über Taboulé bis zum leckeren, warmen Fladenbrot, im gemütlichen Restaurant La Scala in Casablanca, und Fischdelikatessen im Sel de Mer, Mazagans Spezialitätenrestaurant.
Das Tolle ist, dass wir die ganzen Gewürze und Zutaten, die wir gekauft haben, tatsächlich verwenden können. Dank Michael Buard, dem Chefkoch des Mazagan Beach Resorts, sind wir in der glücklichen Lage, selbst ein original marokkanisches Gericht zu zaubern. Wie es geht, haben wir vom Meister persönlich in einer der betriebsamen acht Küchen des Hotels gelernt. Unser selbst zubereitetes Abendessen bestand unter anderem aus einer traditionell marokkanischen Hühnchen-Tajine (ein ganzes Hühnchen pro Person!). Schon beim Marinieren mit einer Mischung aus Zimt, Safran, Ingwer und anderen Gewürzen lief uns das Wasser im Munde zusammen. Als wir danach unsere Kreationen im marokkanischen Restaurant Morjana serviert bekamen, waren wir ziemlich überwältigt von unserer Leistung. Für mich war das der Höhepunkt unserer Reise – dachte ich zumindest.
Doch es kam noch besser: Am nächsten Tag lud uns Rita, meine Kollegin aus dem Mazagan Beach Resort, auf einen kurzen Abstecher zu sich nach Hause ein – das erste Mal in zwei Jahren! Natürlich freuten wir uns, endlich einen Blick in einen echten marokkanischen Haushalt werfen zu können. Doch das, was uns erwartete, hat unser aller Vorstellungen bei weitem übertroffen:
Rita wohnt in einem Palast! Allein der Empfangsbereich ist größer als meine ganze Wohnung und überall strahlen marokkanische Lampen, glänzender Marmor und kunstvoll verzierte Ornamente aus Holz – aus der Werkstatt desselben Meisters, der auch die prächtige Moschee Hassan II. in Casablanca ausgestattet hat. Wir kamen aus dem Staunen gar nicht mehr heraus und waren kaum in der Lage, das süße Mandelgepäck, das uns Ritas Mutter anbot, zu probieren.
Es war, als wären wir innerhalb von Sekunden vom 21. Jahrhundert mitten in ein Märchen aus 1001 Nacht hinein katapultiert worden – nur Schade, dass wir uns von dem Prinzen- und Prinzessinnen-Dasein eine halbe Stunde später wieder verabschieden mussten. Doch zum Glück haben wir ja unsere Mitbringsel: Manchmal schleiche ich mich an den Küchenschrank und rieche heimlich an dem orientalisch würzigen Duft von Ras el Hannout. Sofort fühle ich mich wieder ein kleines bisschen in das Märchen zurück versetzt…



